Vegetarisch und Glutenfrei auf Reisen: Kreative Küche im Reiskorn in Stuttgart

Angeblich ist Urlaub die schönste Zeit des Jahres. Ob sich die schönen Zeiten im gesamten Jahr nur auf den Urlaub beschränken, sei dahin gestellt. Nichtdestotrotz bedeutet Urlaub in gewisser Weise ja auch Stress. Nicht nur müssen Koffer gepackt und weitere Vorbereitungen getroffen werden, man muss erst einmal den Weg weg von der Arbeit finden. „Was ist mit…?“ „Könntest Du…?“ „Und…?“ fragen sie, sobald es sich herum gesprochen hat, dass man bald ein paar Tage nicht im Dienst sein wird. Hat man dies geschafft, gilt es unüberwindbare Hürden zu Hause zu finden und zu überspringen. Irgendwann ist es soweit, und man darf endlich los. Aber wenn dann dennoch Dinge so gar nicht nach Plan laufen und man ein paar Stunden später schon gar keine Lust mehr hat, ehe es überhaupt los gegangen ist, dann kann es schon mal passieren, dass man den Tränen nahe neben seinem Liebsten im Auto sitzt und leise in sich hinein flucht.

Zum einen wegen der zwanzig Kilometer Stau in die das Navi einen schnurgerade hinein gesteuert hat. Zum anderen, weil sowohl das Kurhaus als auch der Hirsch in Scheidegg im Allgäu, ein Ort, der sich als glutenfreier Kurort vermarket, geschlossen haben. Ausgerechnet Mittwochs ist Ruhetag. Im Prinzip hätte man sich diesen Teil der Reise schenken können. Ein Glück gibt es ja Smartphones und mobiles Internet. Die Recherche über das weitere glutenfreie Angebot in Scheidegg ist nicht ergiebig, ein paar Anrufe bei den dortigen Gastronomen nicht zufriedenstellend. Aber dann. Wir finden wir es! Das an einem Mittwoch bestmögliche verfügbare Angebot für vegetarische und glutenfreie Wünsche in Scheidegg: das Reiskorn in Stuttgart!

Müde, genervt, gestresst und maulend laufen wir (okay, vor allem ich) vom Parkhaus unter dem C&A über die vielbefahrene Torstrasse. Klar war ich hier schon mal! Nämlich im Schocken gegenüber. Mit Freunden. Auf Konzerten. Von vorne sieht das Reiskorn unauffällig aus. 16 Reiskorn klAn der Straße kann man, wenn man möchte, sitzen, oder sich in das ruhigere, etwas dunklere, aber unendlich elegant und geschmackvoll eingerichtete Innenleben des Restaurants begeben. An die Tafel am Eingang hat jemand in bunter Kreide „Sommergarten im Innehof offen“ geschrieben. Angesichts der tropischen Temperaturen fragen wir nach einem Platz genau dort. Es ist kurz nach fünf und wir sind die ersten Gäste. Das freundliche Personal führt uns an einen Zweiertisch im schattigen Hinterhof. Als wir diesen betreten, ist meine schlechte Laune wie weg geblasen. 04 Reiskorn klIch fühle mich um Welten entspannter. Ich atme tief ein und aus und genieße das Ambiente aus türkisenem Boden, new-age-angehauchter Einrichtung und südländischem Strandgefühl.02 Reiskorn kl Adieu, viel befahrene Torstrasse, tschüss hektisches Grosstadtleben, auf Wiedersehen, Lärm! Willkommen in der Oase der Ruhe und des Glücks.03 Reiskorn kl In mir Platzt ein Knoten, es zerspringt Beton. Wie weg geblasen sind Gefühle von Hetze, Ärger und Wut. Manchmal hat das Universum eigene Pläne und heute ist offenbar ein Tag an dem es diese mit voller Wucht umgesetzt hat. 05 Reiskorn klHier möchte ich bleiben, danke! 10 Reiskorn klGespannt und mit einem Lächeln auf den Lippen harre ich der Dinge, die da kommen mögen. Auf dem Teller oder auch sonst wo. Es verspricht, mich zu begeistert! Da wäre also die Speisenkarte. Sie beschreibt viel Appetitliches, verschiedenste Köstlichkeiten aus aller Welt, größtenteils glutenfrei, vegetarisch und auch vegan gekennzeichnet. 06 Reiskorn klEureka!

Mal wieder das bekannte Problem: ich kann mich nicht entscheiden. 07 Reiskorn klZwischen vegetarischer vietnamesischer Glücksrolle, einem Glasnudelsalat, den Reisschlupfern, Rote-Linsen Estragonbällchen und bunten Gemüsespaghetti. Oder will ich lieber göttlichen Feta-Käse? Ein Veggie-Curry? Das Auberginenschnitzel? Vom Dessert haben wir ja noch gar nicht gesprochen. Kann ich vielleicht einfach alles bestellen? Mein Mann wiegelt ab.

Wir nehmen das Veggie-Curry und das Auberginenschnitzel und beschließen je die Hälfte davon zu essen. Vorweg teilen wir eine vegetarische Glücksrolle. Ja, und Nachtisch. Bitte einmal Gebackene Bananen und einmal Cashew-Beeren-Torte. Danke. Ach, richtig. Was zu trinken. Wir testen uns durch das selbstgemachte Eistee- und Limonadensortiment. Beerenlimonade und Virgini-Tea, der etwas von Lychees hat. Fruchtig, nicht zu süss und kreativ umgesetzt. 08 Reiskorn klEin Traum.

Im Reiskorn hat alles Stil. Die Gläser, in denen die Getränke gereicht werden. Die Begleitdekoration zur vietnamesischen Glücksrolle, die genauso mundet, wie man es sich vorstellt. 09 Reiskorn klDie Teller. Die Teller auf denen die Teller ruhen, von denen man isst. Und auch die Farben der verschiedenen Speisenkomponenten. Die Speisen sind sommerlich bunt, und versprühen gute Laune. In den nächsten zwei Stunden futtern wir uns durch die reichlich gefüllten Teller, deren Inhalte geschmacklich alles halten was wie vorher versprochen haben.14 Reiskorn kl Mit frischen Zutaten und Kräutern wird hier gearbeitet, alles Gemüse ist behutsam bis auf gar gekocht, nichts übersiedet und nichts in der Eile auf den Teller geklatscht. Der Reis ist luftig und dennoch klebrig. Mein vegetarisches Curry vereint viele Gewürze aus dem Orient, das Auberginenschnitzel meines Mannes ist frittiert und knuspert, wenn man hinein beißt. Die Füllung des Schnitzels (vermutlich auf der Basis von Feta und Kurkuma) strahlt in kräftigem Gelb mit dem tiefen rot der Tomatenscheiben um die Wette.

Okay, vor Fett hat man hier keine Angst, aber wir hätten mit einer anderen Speisenwahl auch leichtere Kost zu uns nehmen können. Und wir sind im Urlaub, da zählt es quasi nicht was man sich so zwischen die Kiemen schiebt, gelle?

Und richtig, da war ja noch der Nachtisch. Er ist hervorragend. Ich möchte die vegane Cashew-Beerentorte am liebsten heiraten.13 Reiskorn kl Und mich in eine Badewanne mit ihr setzen. Mjam! Die Kruste besteht aus Nüssen und getrockneten Früchten, unter anderem auch groben Mandelstücken. Die Füllung besteht aus zwei verschiedenen Farben, und vermutlich Heidelbeeren und Cashewcreme. Ganz großes, veganes Kino in beerenlila!

Und die gebackenen Bananen? Vorzüglich! 12 Reiskorn klAußen knusprig, innen frische Banane, dazu eine selbstgemachte Schokoladensosse. Von letzterer habe ich in der Tat schon bessere gegessen, aber die waren weder selbst gemacht noch vegan.

Und dann ist sie vorbei, unsere Zeit in der Oase. Mittlerweile ist der Garten bis auf den letzten Platz belegt und beim Verlassen des Reiskorn, sehen wir auch das die Terrasse vor dem Haus gut frequentiert ist. Mit einem ganz anderen Bauchgefühl und deutlich entspannter und eine ganze Ecke glücklicher setzen wir uns wieder ins Auto. Es gibt sie noch: Überraschungen. 15 Reiskorn klMomente, die einen den Boden unter den Füssen weg reißen. Gute Küche. Menschen, die keine Angst vor Kreativität haben. Und Hoffnung, dass kulinarisches Schaffen niemals ein undurchsichtiger, grauer Einheitsbrei wird. Dass man aus mehreren traditionellen Gerichten neue schaffen und unendliche Möglichkeiten des Genusses erschließen kann.

Auf ein Neues! Urlaubsanfang: geglückt!

Das Reiskorn
Torstraße 27
70173 Stuttgart
Webseite: http://www.das-reiskorn.de/
Bei Facebook: https://www.facebook.com/DasReiskorn

Öffnungszeiten (Reservierung empfohlen)
Montag bis Donnerstag, Sonntag & Feiertags: siebzehn bis zweiundzwanzig Uhr
Freitag siebzehn bis dreiundzwanzig Uhr

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

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