Gute Vorsätze für das neue Jahr

So mancher schüttelt angesichts von Ernährungs-„Moden“ wie Veganismus oder Paleo den Kopf. Zunächst halten vermutlich viele die Ernährungsweise, mit der sie aufgewachsen sind, ohne weiteres für gut und richtig. Doch spätestens, wenn man von einer ernährungsbedingten Krankheit betroffen ist – sei es Übergewicht mit seinen Folgeerscheinungen, sei es Zöliakie, sei es eine Lebensmittelallergie (die Aufzählung ließe sich noch erweitern) – fangen viele an, über ihre Ernährung nachzudenken und ihre Lebensgewohnheiten zu verändern, und das ohne sich einer bestimmten „Schule“ anzuschließen.

Auch wenn bei einigen Erkrankungen sicher die Ernährungsweise nicht die alleinige Ursache ist oder sie bei manchen, wie bei der Schilddrüsenkrankheit Hashimoto Thyreoiditis, nur im Verdacht steht, eine Ursache zu sein, schaut so mancher spätestens ab dem Zeitpunkt der Diagnose genauer hin: Was ist eigentlich drin in der Dosentomatensuppe, die ich so gerne esse? Aus welchen Zutaten wird Light-Vanilleeis gemacht? Wurden meiner Lieblingssalami Stoffe zugesetzt, die ich nicht vertrage? Der Einkauf im Supermarkt verlängert sich, weil man mit dem Einkaufswagen Slalom fahren muss um Kunden, die in den Gängen herumstehen und in das Studium von Zutatenlisten auf Produktverpackungen vertieft sind. Und weil man genauso herumsteht und liest.

Viele beginnen nun auch, wenn sie es nicht ohnehin bereits getan haben, sich darüber zu informieren, wie die Lebensmittel, die sie kaufen, produziert werden, wo und auf welchem Transportweg die Rohstoffe dafür herkommen, von wem und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden. Was man dann erfährt, kann mitunter dazu führen, dass einem schlecht wird. Und es führt nicht selten dazu, dass man sich fragt: Warum habe ich DAFÜR mein Geld ausgegeben?

Es gibt Substanzen, die ich meinem Körper nicht oder zumindest nicht um Übermaß zuführen möchte, und es gibt Produktionsbedingungen, die ich nicht durch mein Kaufverhalten fördern möchte. Mein Credo: Ich glaube, dass ich durch die Art wie ich lebe, nicht nur Einfluss auf meine Gesundheit, sondern auch auf die Welt nehme, in der ich lebe.

Deshalb habe ich ein paar Vorsätze für das neue Jahr gefasst, die meine Ernährung betreffen. (Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Vorsatz, von der Mischköstlerin zur Vegetarierin zu werden, ist nicht darunter, und auch nicht der Vorsatz, nur noch garantiert Gentechnik-freie Lebensmittel zu verzehren.)

  1. Möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel kaufen, also möglichst viel selbst kochen und backen.
  2. Eier, Milch und Milchprodukte kaufen, die in Deutschland und nach Bio-Standards produziert wurden.
  3. Weil ich weder die Möglichkeit habe, zu einem Bauernhof mit Hofschlachtung in der Nähe zu fahren, mir die Tierhaltung anzusehen und dann dort direkt einzukaufen, noch mit einem Jäger befreundet bin, dem ich Fleisch abkaufen kann: Wurstwaren und Fleisch kaufen, die in Deutschland produziert wurden, und die nicht nur das EU-Bio-Siegel aufweisen, sondern außerdem das Siegel eines Bio-Verbandes mit strengeren Richtlinien wie z.B. Naturland oder Demeter.
  4. Maximal einmal in der Woche ein Fleischgericht auf den Speiseplan setzen.
  5. Lebensmittel meiden, in denen Gelatine verarbeitet wurde.
  6. Beim Einkauf von Fisch auf das MSC-Siegel achten und mich an die Empfehlungen von Umweltverbänden halten. (Nach dem aktuellen Greenpeace-Fischratgeber kann man nur noch Karpfen kaufen, ohne genauer hinsehen zu müssen. Ziemlich umständlich, aber was tut man nicht alles, um wenigstens nicht persönlich zur Überfischung der Meere, zur Ausbreitung von umweltschädlichen Aquakulturen und zur Verdrängung regionaler Fischerei beizutragen.)
  7. Keinen Fisch und keine Meeresfrüchte verzehren, bei denen die Innereien nicht entfernt wurden bzw. nicht entfernbar sind (z.B. Sprotten oder Muscheln). Meerestiere nehmen mittlerweile ständig Plastikpartikel mit der Nahrung auf, und die möchte ich mir nicht zuführen.
  8. Maximal einmal in der Woche ein Fischgericht auf den Speiseplan setzen.
  9. Wenn ich in einem Restaurant oder Imbiss essen möchte und nicht nachvollziehen kann, woher man dort Fleisch und Fisch bezieht, ein veganes oder zumindest vegetarisches Gericht bestellen.
  10. Obst und Gemüse kaufen, das gerade Saison hat.
  11. Obst und Gemüse (und Honig) auf dem Wochenmarkt bei regionalen Erzeugern kaufen. (Zum Glück gibt es auf dem hiesigen Wochenmarkt in dieser Hinsicht ein breites Angebot.) Wenn das nicht möglich ist, zumindest Obst und Gemüse mit der Herkunftsbezeichnung „Deutschland“ kaufen. Wenn auch das nicht möglich ist, auf Bio-Qualität zurückgreifen.
  12. Wenn es um Waren geht, die notwendigerweise importiert werden: Produkte mit Fairtrade-Siegel kaufen, das gilt insbesondere für Kaffee, Kakao und kakaohaltige Produkte.
  13. Wenn ich verarbeitete Lebensmittel kaufe, muss die auf der Produktverpackung abgedruckte Zutatenliste möglichst kurz sein. Eine Marmelade z.B. muss Früchte, und Zucker und eventuell ein Geliermittel (bzw. Gelierzucker) enthalten, so etwas wie Guarkernmehl gehört meines Erachtens nicht hinein.
  14. Verarbeitete Produkte meiden, die Mononatriumglutamat, Hefeextrakt oder nicht näher definierte Zusatzstoffe wie „Aroma“ bzw. nicht näher beschriebene E-Nummern enthalten.
  15. Auf Produkte verzichten, die Palmöl enthalten, egal ob konventionell erzeugt oder Bio.
  16. Beim Kochen und Backen auf jodiertes Speisesalz sowie auf Produkte, die Jodsalz enthalten, verzichten. Die Jodmenge, die ich mit meiner täglichen Nahrung aufnehme, etwa durch Eier, Milch und Milchprodukte oder aufgrund der standardmäßigen Verwendung von Jodsalz in der Kantine, in der ich zu Mittag esse, ist ausreichend.

Zugegeben, wenn man sich an alle diese Vorsätze hält, muss man ganz schön viele Aspekte im Blick behalten, wenn man einkaufen oder essen geht. Aber ich erprobe das nun schon eine Weile und muss sagen: Es ist weitestgehend umsetzbar und man gewöhnt sich daran. Dass man mitunter teurere Bio- und/oder Fairtrade-Produkte kauft, wird etwa durch den Kauf der meist preiswerteren saisonalen und regionalen Lebensmittel ausgeglichen. Und wenn man zwar Bio-Fleisch und -Wurst kauft, doch das eben nicht so häufig, geht das auch nicht ins Geld.

Freilich werden sich nicht alle Vorsätze in jeder Lebenslage rigoros umsetzen lassen. Nicht nur wegen des Lebensmittelangebots in diesem Land, nicht nur, weil ich allergisch gegen zahlreiche heimische Obst- und Nusssorten bin oder mein hauseigener „Mitesser“ Chicoree und Fenchel partout verschmäht. Sondern auch, weil ich nur ein Mensch bin, der manchmal einfach vergisst, die Zutatenliste auf der Packung zu lesen, bevor er Kekse kauft, in denen Eier aus Bodenhaltung verarbeitet wurden (Käfighaltung ist ja glücklicherweise bereits verboten). Und weil französischer Käse mitunter einfach besser schmeckt. Oder man im Urlaub an der Nordsee mal Appetit auf eine frische Scholle hat.

Aber bekanntlich kommt man auch mit kleinen Schritten zu Ziel. Selbst, wenn man ab und zu drei Schritte vorwärts und einen zurück macht. Und viele kleine Leute, die viele kleine Schritte tun …

Suppenhanne

About Suppenhanne

Mittelalterliche Mischköstlerin mit einem Hang zum Hanswurstischen.

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