Lowcarb, vegan & glutenfrei: DIE Pizza vs. Die Lizza

Mittlerweile ist Low-Carb in aller Munde und glutenfreie Ernährung daher (fälschlicherweise) der letzte Schrei in Sachen trendiger, „gesunder“ Lebensweise der Reichen und Schönen. Gluten ist eine Ausgeburt des Teufels und böse Versuchung zugleich, ein fieses, überall lungerndes Etwas, ein Direktexport aus dem Magmakern der heißesten Ecke der Hölle, wo nur die Miesesten und Schrecklichsten in der Geschichte des Universums nach dem Ableben hinfinden. Daher verzichtet man hier auf Erden lieber gleich ganz auf Gluten – und auch alles was den Eindruck erwecken könnte irgendeine Ähnlichkeit mit Gluten zu haben – und hungert sich so in schlanke, ranke Sphären körperbewussten Zens. Das Phänomen der Re-Kreation „verbotener“ Gerichte und Produkte hat auch immer wieder einen Platz in der Popkultur – zu Recht!

Als Person mit Zöliakie und Genussmensch empfinde ich Low-Carb eher als Großes No-no. Es erscheint mir einerseits ziemlich umständlich und auch langweilig, sich so zu ernähren. Und ich weiß wovon ich spreche, stecke ich doch gerade mitten in der vegetarischen Variante der Whole30-Challenge. Ich lechze tagsüber nach Brot, Kuchen, Keksen und Nudeln und kriege aber nur Rührei, Süßkartoffelauflauf (mit Kokosmilch und Mandelmus) und Zoodles (das sind Nudeln aus Zucchini, zubereitet in einem Spiralschneider). Nachts, glaubt man meinem Mann, mache ich das wieder wett und feiere im Schlaf regelrechte Fressorgien ausufernder Dimension. Das Schlimme daran: ich kann mich sogar erinnern von Reis und asiatischem Essen geträumt zu haben! Mehr als einmal hat er gedroht mir zu einer dieser Gelegenheiten ein Stück Schokolade in den Mund zu schieben. Ungelogen, Schatz, ich wäre Dir sehr dankbar. Schieb noch eine Kugel Eis hinterher, und ein paar Chips, das wäre ganz hervorragend! Es ist auch eine ziemlich fette Lüge in Salatblätter/Süßkartoffelhälften/Quark-Ei-Fladen gehüllte vegetarische Frikadellen zu essen und diese Kreation „Burger“ zu nennen. Ich lebe schließlich nur einmal. Daher muss es schmecken – und das ordentlich!

Das gleiche gilt für Pizza, insbesondere deren glutenfreie Variante. Ich möchte bitte keine Ökoversion aus Buchweizen- oder Vollkornreismehl, nein, ich möchte einen ungesunden, weißen Fladen voller Kohlehydrate, belegt mit reichlich Käse, der bitte Fäden ziehen soll, wenn ich die erste Scheibe vom Teller in Richtung Kaumechanismus führe. Das Herz muss unter der Last der Mahlzeit ächzen, sonst macht es keinen Spaß. Alles, was die oben genannten Kriterien nicht erfüllt, darf und soll sich nicht Pizza nennen. Punkt.

Dies vorhergeschickt: Ich war sowohl neugierig als auch skeptisch als ich – mehr oder weniger zeitgleich – die Möglichkeit erhielt DIE Pizza von der Maisterei und die Lizza (das steht für Low-Carb-Pizza) zu testen. Beide sind aus Hessen, glutenfrei, low-carb und vegan und können eingefroren werden. Zielgruppe sind Personen, die sich glutenfrei, low-carb oder auch vegan ernähren, und die im regulären Handel keinen vorgefertigten Pizzateig kaufen können.

Über DIE Pizza: sie ist die neueste Erfindung von Bäckermeister Robert Matheis und seinem Team, die in Hessen die Maisterei betreiben. (Ich bin Fan der ersten Stunde, nachzulesen hier) 02 Pizzacollage klNach dem die Zusammenarbeit mit den Jungs von Die Lizza endete, hat Robert den ehemaligen Lizzateig weiter entwickelt und auf der Basis von Goldleinsamen-, Lupinenmehl und Chiasaat, sowie etwas Reismehl einen neuen, verbesserten Teig entwickelt. Geliefert wird DIE PIZZA in einem kleinen Pizzakarton (pfiffig!), inklusive Pulver für Tomatensoße zum Anrühren mit Wasser. Das Pulver, bestehend aus getrockneten Tomaten und Kräutern, hüllte die Pizzabox in einen sehr leckeren Duft! In der Box enthalten sind vier Pizzaböden von 18x20x1 Zentimeter Größe und 145g. Ein Boden deckt den täglichen Mindestbedarf an Ballaststoffen. Sie sind braun und kernig, riechen würzig und sind weich und fluffig, aber griffig, weil vorgebacken. Zu keinem Zeitpunkt hat man Angst, dass sie einem beim Bearbeiten zerbrechen könnten oder dass sie zu trocken sind. Die Böden an sich sind nur wenige Tage nach Lieferung haltbar, d.h. man sollte sie entweder schnell essen oder für den späteren Gebrauch eingefrieren. Wichtig für das knusprigste Resultat ist: das Backen direkt auf dem Ofenrost.

Zur LIZZA: diese wird aus Leinsamen, Chiasamen und Kokosmehl gemacht und ist ebenfalls low-carb, glutenfrei und vegan. Die Lizza ist eine Kreation von Matthias Kramer und Marc Schlegel, die sich 2012 bei einem Praktikum bei einer Bank in Frankfurt am Main kennen lernten und seit dem gemeinsame Wege gehen. Nach kurzer Kooperation mit der Maisterei und Aufstellung eines Lizzafoodtrucks, haben die beiden im Laufe des Jahres 2015 beschlossen ein eigenes Rezept auf der ursprünglichen Rezeptur weiter zu entwickeln und in einen eigenen Produktionsstandort zu investieren. 02 Lizza klInteressierte konnten in den sozialen Medien die Geschichte der Lizza GmbH live mitlesen – besonders beeindruckt haben mich die Ausflüge nach Italien auf der Suche nach einer Lizzaausrollmaschine. Zum Verkaufsstart der Lizza im Onlineshop, haben Matthias und Marc beschlossen ein paar Tester für ihr Produkt zu finden. Man konnte sich auf der Lizzaseite als Tester bewerben. Nach dem das Echo auf die Aktion so gewaltig war, und mehr als tausend Bewerbungen eingegangen sind, haben die Jungs beschlossen jedem einzelnen Bewerber ein Paket mit Lizza zu schicken. 01 Lizza klDanke Jungs, das war mehr als großzügig und bringt Euch hoffentlich viele Karmapunkte im glutenfreien Teil des Geschäftshimmels! Die Lizzafladen sind breiter und länger als ein Fladen von DIE Pizza, und auch dünner und haben eine gesunde Farbe.03 Lizza kl Geliefert werden sie in einem Karton, etwas grösser als A4 (d.h. man muss nicht zu Hause sein, wenn der Pizzabote, äh, Postbote klingelt). Man kann die Lizza in verschiedenen Paketgrößen bestellen: von vier, acht bis hin zu sechzehn Böden ist die Rede. Angeblich ist auch eine Tomatensosse zum Mitliefern in Arbeit, aber die habe ich nicht getestet. Die Lizza wird nicht vorgebacken, sondern direkt nach Herstellung im Vakuum eingeschweißt. Sie ist daher auch gekühlt etwas länger haltbar als der vorgebackene Teig von DIE Pizza, nämlich eine Woche ungekühlt, drei Wochen im Kühlschrank. Sie hält bis zu einem halben Jahr im Froster. Die Lizza aus der Verpackung zu lösen war doch etwas schwierig, aber auch hier hatte ich keine Angst, dass etwas zerbrechen würde. Der Lizzateig fühlte sich beim Auspacken feucht an, aber das liegt wohl in der Natur der Sache.

Preislich gibt es zwischen Lizza und DIE PIZZA nur einen Unterschied von wenigen Cent: Die PIZZA kostet 9,99 für vier Böden plus Tomatensosse, vier Böden der Lizza liegen bei EUR 9,96. Bei der Maisterei kann man jedoch für die Versandkosten auch noch mehr glutenfreie Leckerlies bestellen, bei die Lizza hält sich die weitere Auswahl in Grenzen: es gibt keine außer noch mehr Lizza zu bestellen.

Zur Zubereitung: Lizza als auch DIE Pizza werden in den Ofen bei 220°C gegeben, und vorgebacken (bei der Lizza ist das nur der Gourmet-Tipp, aber den habe ich sofort beherzigt). Die Pizzen kann man dann entweder mit der mitgelieferten Tomatensosse (bei die Lizza hatte ich, wie gesagt, keine) bestreichen oder selbst gemachte Soße nehmen.

Lizzacollage kl

Lizza

Bei DIE Pizza habe ich das Tomatensoßenpulver je auf eine Bodenhälfte gestrichen, den Rest mit eigener Soße. Die Lizza habe ich nur mit meiner eigenen Tomatensoße bestückt, denn zum Zeitpunkt dieses Tests war die Tomatensosse noch nicht vorhanden.

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DIE Pizza der Maisterei

Dann habe ich beide Böden mit meinem Lieblingspizzabelag – Champignons,  Artischocken (als vorhanden) und Mozzarella – belegt und sie fertig gebacken.

Hübsch und appetitlich sahen beide beim Servieren aus. Gerochen hat es ebenfalls ganz hervorragend.

Geschmacklich haben beide Produkte weder mich noch meinen Mann bis in die Sphären der kulinarischen Höhepunkte gebracht. Aber ich erwähnte ja bereits oben, dass ich vermutlich nicht die richtige Zielgruppe für diese Produkte bin, weil Pizza für mich etwas ganz spezifisches, italienisches ist, aus weissem, fluffigen Teig ist, ein Heiliger Gral, den es zu schützen gilt, wie so manch kulturell wertvolles kulinarisches Gut, das zum Teil des UNESCO Weltkulturerbes zählt.

Die Böden schmeckten uns beiden ein wenig wie ein Ökopizzateig, wobei mein Mittester der Meinung war, dass der Teig der Maisterei einen viel besseren Geschmack hatte als die Lizza (die seiner Meinung nach keinen besonderen Eigengeschmack hatte und daher neutral schmeckte). Mir persönlich hat der Lizzateig besser gefallen, weil er dünner war und ich dünnen Teig für Pizza lieber mag als dickeren. Allerdings fand ich die krossen Stücke von DIE Pizza – am Rand – extrem lecker (leckerer als die Lizza insgesamt), so dass ich auch diese jederzeit wieder essen würde. Die Existenz des Tomatensossenpulvers würde ich bei meiner nächsten Bestellung einfach ignorieren (wobei ich zu der Soße von Die Lizza nichts sagen kannt). Selbstgemachte Soße (oder auch welche aus dem Supermarkt aus dem Glas) schmeckt um Längen besser und hat auch eine bessere Textur. Ich würde der Lizza und auch der Pizza jederzeit eine reguläre Pizza vorziehen, kann mir aber insbesondere aufgrund des Eigengeschmacks des Teiges der Maisterei vorstellen, dass man hervorragende Alternativverwendung zur Pizza finden kann. Ich denke da an Bruschetta mit Tomate oder Auberginen, Käsecracker, Canapés oder mit Knoblauchbutter bestrichene Stückchen gerösteten Teig, mmmmmmmmh!

Wenn ich mir allerdings vorstelle, ich wäre die Zielgruppe von Lizza und DIE Pizza (was ich vermutlich nach Ende der Whole30-Challenge auch sein könnte), dann wäre ich ganz angetan von diesen Produkten und würde sie an Eurer Stelle auf alle Fälle beide testen um heraus zu finden, welche mir besser schmeckt (denn das kann ich Euch – trotz viel Efahrung mit dem Pendel, der Glaskugel und dem Tarot der magischkulinarischen Künste – nicht mit Sicherheit sagen). Denn eine low-carb Pizza, mit so viel Protein und Ballaststoffen, ist wahrlich ein wahrer Fortschritt im Gegensatz zu gar keiner Pizza (und bestimmt ein hervorragendes Gegengift gegen meine derzeit anhaltende Mampftraumserie – unabhängig davon ob man nur einem Trend folgen möchte oder seiner Gesundheit etwas Gutes tun möchte. Denn seien wir ehrlich: Pizza leistet ja so gut wie keinen wertvollen Beitrag zu gesunder Ernährung und einer nachhaltigen Lebensweise und wenn wir uns in diesem Aspekt ein wenig selbst überlisten können, dann ist das allemal wert!

DIE Pizza der Maisterei, zu bestellen online auf: http://www.maisterei.de/die-pizza/

Lizza Superfoodteig, zu bestellen online auf: https://www.lizza.de/

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

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