Kochbuchrezension: Maultaschen – Schwäbisches Soulfood

Unendliche Neugier hat „Maultaschen – Schwäbisches Soulfood“ (Untertitel: Gscheide Rezepte für Daheim und die ganze Welt) in mir geweckt. maultaschen_end.inddAls Halb-Schwäbin bin ich vielen kulinarischen Spezialitäten aus dem Süden Deutschlands verfallen. Zu Lebzeiten machte meine Oma Maultaschen selbst; als Kind war ich oft dabei. Wie Heiligtümer haben wir sie in Gefrierbeuteln im Auto von Heilbronn nach Frankfurt transportiert und später gemeinschaftlich in Suppen verspeist.

Seit ich glutenfrei lebe, ärgere ich mich damals nicht besser aufgepasst zu haben. Glutenfreie, vegetarische Maultaschen sind derzeit nur im Online-Handel bzw. in einem winzigen Laden in Bayern und seinen Kooperationspartnern erhältlich. Daher habe ich das 2016 im Silberburg Verlag veröffentlichte Maultaschenbuch sehr begrüßt und mich noch mehr gefreut als mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Vielen Dank!

Ein paar Infos über Maultaschen: Schwäbisches Soulfood

Die Autoren Dr. Henning Drews und Daniel Jüttner begleitet von Fotograph Valentin Marquardt – Schwaben die gemeinsame Schulzeit am Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen verbindet – haben alle Informationen zu einem der wichtigsten kulinarischen -auch unter dem Namen Herrgottbscheisserle bekannten – Symbole des Ländles zusammen getragen. Sie schaffen darin eine Mission Impossible: ein spießiges Gericht aus einer biederen Tradition komplett umzukrempeln! Würde mich nicht wundern, wenn künftig nicht nur im sagenumworbenen Kloster Maulbronn (in dem die Maultasche angeblich ihren Ursprung hatte) innovative Maultaschenkreationen kredenzt, sondern auch Sterneküche dieser Welt das ein oder andere Maultaschengericht servieren und damit eine kleine Revolution auslösen!

Maultaschen: traditionell, spiessig, bieder?

Die kulturelle Bedeutung und global-kulinarische Einbettung des ursprünglich als Fastengericht angedachten Maultasche erklären die Autoren – nun wohnhaft in Kiel und auf dem Prenzlauer Berg – im ersten Teil des Buches: Maultaschen Basics. Neben der Geschichte der Maultasche, lernen wir ihre ausländischen Freunde (Ravioli, Samosas, Wantans) kennen. Dann: ausführliche Grundrezepte und Zubereitungstipps. 01-maultaschen-klNudelteigrezept sowie mehrere traditionelle Variationen der Füllung nebst zwei (weniger traditionellen) vegetarischen Abwandlungen. Der nicht zu unterschätzende Unterschied zwischen gefalteten und gewickelten Maultaschen wird debattiert. Auch ob Maultaschen geschmälzt (gebraten), in der Brühe oder gar kalt gegessen werden, wird geklärt (Spoiler: alles ist möglich, wenn’s schmeckt!).

Maultaschen erkunden die Welt, die Welt erkundet die Maultaschen

Im Anschluss folgt mit über zwanzig Rezepten eine Reise um die Welt: die urschwäbischen Teigpakete begegnen bunten, internationalen Füllungen. Von Maultaschenauflauf und –lasagne über Spargelvariationen locken quasi verrückte, von sämtlichen europäischen Ländern inspirierte Rezepte auf Oliven-, Feta-, Auberginen-, Matjes- oder Krautbasis. Auch als Burger genießt man die Maultaschen oder füllt sie süß, wie Apfelstrudel oder mit asiatischem Bananenmilchreis. Wem ein einziges Maultaschengericht nicht ausreicht, der kann seinen Gästen mehrere Variationen zubereiten als Menü servieren. Ich meine: warum nicht? Ich möchte gar nicht wissen, was die super spießigen Nachbarn meiner Oma zu diesem Buch und den vielen neuen Zubereitungsweisen der heiligen Maultasche gesagt hätten. Aber es ist mir egal. Wie ein – mittlerweile in den sozialen Medien sehr bekanntes – Bild mit einem fliegenden Einhorn schon besagt: „Fresst meinen Sternenstaub, Ihr Langweiler!“

Für wen wurde Maultaschen – Schwäbisches Soulfood geschrieben?

Fazit: Das Konzept von „Maultaschen – Schwäbisches Soulfood“ und die Rezepte darin sind mit viel Liebe zum Detail entwickelt und umgesetzt, die begleitenden Texte mit Witz und Hintergrundwissen geschrieben. Das Buch ist sehr gelungen und lohnt zu lesen. Selbst ich, die glutenfreie Vegetarierin, fand es super! Es hätte jedoch – aus meiner rein subjektiven Sicht – eine ansprechendere Präsentation verdient. Erfolgreiches Stylen und Ablichten von Essen ist ein schwieriges und anspruchsvolles Metier, Maultaschen ein undankbares Sujet. Anderes Food Styling und andere Fotos hätten das Produkt insgesamt deutlich aufgewertet, die sorgfältige Arbeit der Graphikabteilung komplementiert. Andererseits sind Maultaschen ein bodenständiges Essen, der Authentizität des Buches tut die Präsentation daher keinen Abbruch.

„Maultaschen – Schwäbisches Soulfood“ (ISBN: 978-3-8425-1444-7; EUR 19,90) eignet sich hervorragend als (Weihnachts-)Geschenk für alle Liebhaber der schwäbischen Küche, insbesondere (Exil-)Schwaben oder jene, die zwangsläufig im Ländle leben und mit ihren internationalen Verwandten ein wenig gegen den Alltagstrott rebellieren möchten. Klare Empfehlung für alle Maultaschenverliebten und alle, die es noch werden möchten!02-maultaschen

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

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