Wie ich brotgeil wurde und was ich dagegen tue.

Wirklich begeistern konnte ich mich nie für Brot, es war für mich immer einfach nur da. Zum einen hat es damit zu tun, dass ich eher Warmesserin bin und auch damit, dass ich die ersten Zwei-drittel meines Lebens nicht in Europa gelebt habe. Ich finde, ausserhalb Deutschlands gibt es nur mittelmäßiges Brot. Selbst beim deutschen Bäcker, den man nun wirklich in jedem Land findet!

Ich könnte Euch nicht mal sagen, was ich all die Jahre statt Brot gegessen habe. Ohne Frühstück hat mich meine Mama nie in die Schule gelassen, die erste Mahlzeit des Tages war aber eher eine grosse Tasse Milch oder Kakao, später mit Milchkaffee. Mittags und abends gab’s dann was Warmes, also eher selten Brot. Meine Lieblingsbroterinnerungen verbinde ich mit meiner deutschen Oma, die in Schwaben wohnte, dem Brot- und Backparadies auf Erden.

Mein Brotkonsum war auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland begrenzt, und mir graute es immer vor den Exkursionen, die ich für meine Geographiescheine machen musste. Da gab’s nämlich fast nur Brot, meistens zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Und natürlich auch zwischendurch: bei den Unternehmen die wir bei den Exkursionen so besucht haben. Mir war das sehr unangenehm.

Dann habe ich meinen Mann kennen gelernt, der Brot (und Nudeln!) über alles liebt. Ihm hätten die Exkursionen wohl sehr gut gefallen. Mein Brotkonsum ist schlagartig angestiegen, aber genervt hat es mich schon, dass ich so viel Brot esse. Richtig böse wurde ich ab und an, wenn mein Mann vorschlug dass wir die Küche kalt lassen und einfach nur ein Brot essen.

Heute weiss ich: ich habe Brot nicht vertragen. Wegen dem darin enthaltenen Gluten (ein Klebereiweiss, das in vielen Getreidesorten wie Roggen, Dinkel, Weizen und Grünkern enthalten ist), das mir nicht bekommen ist. Vergangenen April kam dann endlich meine Zöliakiediagnose und ich musste mich von Brot, so wie ich es kannte, für immer verabschieden.

Und wer hätte das vorhersehen können? Ich wurde brotgeil! Es stimmt wohl wirklich: das was man nicht haben darf, findet man besonders reizvoll. Erst habe ich so ziemlich jedes verfügbare glutenfreie Brot gekauft das mir so über den Weg gelaufen ist. Dann habe ich gelernt glutenfreies Brot zu backen. Ein paar (glutenfreie) Biere habe ich auch getrunken. Hatte da auf einmal Lust drauf. Ich! Lust auf Bier! Verrückt! Ich bin sogar richtig gut im glutenfreien Backen geworden und esse mittlerweile nur noch selbst gebackenes Brot. Deswegen hat es auch so lange gedauert bis ich endlich die Brote der Maisterei, einer rein glutenfreien Bäckerei aus Leun (das ist in Mittelhessen, in der Nähe von Wetzlar), probiert habe.

Die Maisterei wird von Bäcker Matheis und seinem Sohn Robert betrieben. Keine Ahnung wie die beiden auf diese Geschäftsidee kamen, eine Marktlücke haben sie jedenfalls gefunden. Und spektakulär sollen die Brote sein. Das sagen zumindest einige schwärmende Einträge von Personen welche die Brote bereits vor Ort oder über das Internet bestellt haben, wenn man diversen Internetforen und Einträgen auf Facebook Glauben schenken möchte.

Vergangenen Dienstag hat die Maisterei eine zweite Filiale in Obertshausen im Kreis Offenbach eröffnet. Hannah, die ebenfalls glutenfrei Leben muss und in meiner Nähe wohnt, war sogar vor Ort und hat sich freundlicherweise darauf eingelassen mir eine Grossbestellung mitzubringen, die ich gestern (Mittwoch) am Kölner Hauptbahnhof in Empfang nehmen konnte. (Herzlichen Dank noch mal dafür!)

Was soll ich noch dazu sagen. Ich war begeistert. 01 Maistereibrot klFrisches Brot! 02 Maistereibrot klVom Bäcker! 03 Maistereibrot klYeah!

In das Schokohörnchen habe ich sofort gebissen (deswegen ist es oben nur zur Hälfte abgebildet), kleine Scheiben von den restlichen Laiben habe ich beim Einfrieren der Brote zu Hause probiert, aber nicht ohne vorher ausgiebig an ihnen zu schnüffeln und mich über den einzigartigen Geruch von frischem Brot zu erfreuen. Für meinen Mann war auch etwas dabei: er hat sich vor Freude, dass die Maisterei ihre Brote in richtigem Fettpapier einpackt und somit auch hier an Qualität nicht spart, fast gar nicht mehr eingekriegt. Ich habe die Scheiben (mangels Toaster) kurz in der Mikrowelle aufgebacken. Dann waren die Scheiben zwar etwas labberig, aber so weich und geschmeidig. Alle Brote haben den Butterbrottest bestanden und waren wirklich vorzüglich, insbesondere das kleine Rustico fand ich ganz toll. Vor allen Dingen ist es aber schön für mich wirklich wohlschmeckendes Brot zu essen, dass ich nicht selbst gebacken habe. (Ganz unerwartet habe ich nebenbei festgetellt, dass mein eigenes Brot auch von sehr hoher Qualität und gutem Geschmack ist. Das war ein wirklich erfüllender Moment).

Hätte ich mir selbst vor einigen Jahren erzählt, dass ich jemals so einen Aufriss um Brot herum machen, dafür sogar mal die Küche Abends ohne Protest kalt lasse oder gar welches von weit weg mitbringen lassen und dem Tag der Übergabe wie ein kleines Kind Weihnachten entgegen fiebern würde, hätte ich das niemals geglaubt. Aber so ist das nun mal im Leben: alles ändert sich, anscheinend auch unser (Verhältnis zu unserem) täglich Brot.

Die Maisterei
Bürgermeister Mahr Straße 4-6 (Penny Markt)
63179 Obertshausen- Hausen (Kreis Offenbach)
Öffnungszeiten: Dienstag & Donnerstags von 9:30 bis 13:00 Uhr & von 14:00 – 18.00 Uhr

oder:
Wetzlarer Straße 14
35638 Leun
Telefon: 06473-2030
Öffnungszeiten: Freitags von 9:30 bis 13:00 Uhr & von 14:00 bis 18:30 Uhr

Onlineshop (Bestellung bis Sonntag um 0:00; Versand Mittwoch, Lieferung (hoffentlich) Donnerstags):
http://www.die-maisterei.de/maistereishop/

 

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

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