Eine zweite Chance zum Wohlfühlen

****Update Januar 2015: Nach einer negativen Erfahrung, in der ich das Gefühl bekommen habe, dass sich das Well-Being mit der Kontaminationsproblematik nicht auskennt, kann ich einen Besuch für Personen, die Zöliakie haben und für die jedes bisschen Gluten schädlich ist, leider nicht mehr empfehlen. Selbstverständlich ist dies nur meine ganz persönliche subjektive Meinung und bei einem jeden Restaurantbesuch muss das Risiko abgewogen werden und die Entscheidung für jeden selbst getroffen werden. Daher lasse ich den Blogpost-  inklusive diesem Hinweis – stehen. *****

 

Eigentlich wollte ich nicht noch einmal ins Well-Being, ein veganes, vietnamesisches Restaurant, in dem ohne Glutamat gekocht wird. Zu finden ist das Well Being in der Brabanterstrasse, einen Katzensprung vom Kölner Rudolfplatz. Warum ich es abgehakt hatte? Vor zwei Jahren war ich mit einer Freundin dort. Wir saßen im kleinen, sehr gemütlichen Raum neben dem eigentlichen Gastraum und wurden – nach einer geschmacklich nicht übermäßig spektakulären Mahlzeit – verscheucht. Man bräuchte unbedingt diesen Tisch. Wir mögen irgendwo anders im (ansonsten leeren) Gastraum Platz nehmen. Etwas pikiert und mit Plänen woanders weiter zu quatschen, baten wir um die Rechnung. Diese wurde prompt gebracht und aufgeteilt. Meiner hochschwangeren Freundin wurden zwei Biere – die ich auch nicht getrunken hatte – in Rechnung gestellt. Alles in allem waren das zu viele negative und zu wenig positive Punkte. Also habe ich mich nie wieder blicken lassen.

Nun, ein Riesenangebot an Restaurants mit glutenfreien, vegetarischen/veganen Speisen gibt es in Köln nicht. Ich gab dem Well-Being noch eine Chance. Gespeist habe ich mit einer quasi-Kommilitonin, einer Frau die in den USA an derselben Hochschule studiert hat wie ich, nur später. Sie hatte mich über Facebook ausfindig gemacht und gefragt, ob wir uns nicht mal treffen möchten. Normalerweise ist es nicht so einfach eine Audienz bei mir zu buchen, aber da wir gemeinsame Freunde haben, habe ich sofort zugesagt. Sie war begeistert von meinem Vorschlag ins Well-Being zu gehen. Ich habe, ehrlich gesagt, nichts anderes erwartet: US-Amerikaner sind ja immer enthusiastisch.

Im Well-Being erfuhr ich, dass lediglich zwei Gerichte auf der Karte glutenfrei sind: die 35 (Gemüse-Pfanne mit Bambus, erlesenem Gemüse der Saison, im Wok kurz gebraten für EUR 7,50) und die 40 (Mango-Curry: Bio-Tofu oder Veggie Chicken, mit frischer Mango und Ananas, Kokosmilch, Erdnuss, Zitronengras für EUR 8,90). Ich entschied mich für die Gemüsepfanne. Meine Begleitung für ein Nudelgericht. Typisch US-amerikanisch hat sie nach Leitungswasser anstatt nach Sprudel gefragt. Während wir auf unser Essen warteten, füllte sich das Restaurant. Ich erfuhr, dass der Enthusiasmus meiner Begleitung für das Well-Being nicht kulturelle Gründe hatte, sondern dass sie vegan lebt und schon drei Mal hier gegessen hat. Allerdings habe sie das letzte Mal vierzig Minuten auf einen Tisch gewartet. Daher: wer einen Tisch zu einer bestimmten Zeit möchte und keine vierzig Minuten zum Warten übrig hat, sollte lieber reservieren, denn das Well-Being ist auch an regulären Wochentagen abends sehr beliebt.

Aufgrund guter Konversation und getreu dem Prinzip, dass man nur eine Chance hat um einen guten ersten Eindruck zu machen, habe ich es verpasst Fotos vom Restaurant zu machen. Schlimm ist das aber nicht: das Well-Being ist angenehm unaufgeregt schlicht eingerichtet.

Unser Essen kam sehr schnell. Meine Gemüsepfanne war in Ordnung, lecker, das Gemüse knackfrisch und von guter Qualität. So etwas kann ich jedoch zu Hause auch kochen. Von daher fand ich es nicht spektakulär. 01 Well Being klIch habe mich geärgert nicht nach einer Portion Tofu o.ä. gefragt zu haben. Ich glaube, dies oder ein paar Nüsse hätten dem Gericht gut getan. Ich hatte also Platz für Nachtisch. Der junge Mitarbeiter empfahl nach Rücksprache mit der Küche den Klebreiskuchen.

Dann warteten wir. Meine Begleitung bestellte noch ein Leitungswasser, und erhielt von der (durch Schichtwechsel verursachten) neuen Bedienung: Sprudel. Es war (für mich, typisch deutsch und fanatischer Sprudeltrinker) sehr amüsant ihr beim Trinken zuzuschauen. Jeder Schluck war für sie wie ein Biss in eine Zitrone. Sie hat der Bedienung den Fehler nicht übel genommen. Da ich immer noch bemüht war einen guten Eindruck zu hinterlassen, habe ich gegenüber der Bedienung nichts zum Thema gesagt, fand aber, dass sie stilles Wasser hätte anbieten können anstatt einfach Sprudel vorbei zu bringen. Abgesehen davon: das Restaurant war voll und die neu Kraft kümmerte sich als einzige um die Gäste. Sie kam kaum hinterher, und die Gäste am Tisch hinter uns unterbrachten irgendwann unser Gespräch und fragten, ob hier Selbstbedienung sei oder ob man bei der Kellnerin bestellen könne? Meine Begleitung erklärte daraufhin: es gibt immer nur eine Bedienung. Diese arbeiten sehr hart für ihr Geld, anders kann man es nicht sagen.

Dann kam mein Klebreiskuchen. 02 Well Being klIch bin so froh, dass ich ihn bestellt habe. Serviert wurde er auf dem Blatt einer Bananenstaude, überschwemmt von einer heißen, dampfenden Kokosnusscremessoße und garniert mit gehackten Erdnüssen. Das Geschmackserlebnis ist vergleichbar mit Milchreis, der Klebreiskuchen ist nur etwas fester, weniger süß und enthält Kidneybohnen anstatt Zimt. Definitiv ein Gericht, dass demnächst in meiner Küche nachgekocht wird.

Bekanntlich soll man gehen wenn’s am schönsten ist, und da immer mehr Leute nach freien Tischen fragten und wieder weg geschickt wurden, haben wir bezahlt. Das Aufteilen der Rechnung untereinander und das Ausrechnen mussten meine Begleitung und ich übernehmen, denn die gestresste Bedienung hat den Zettel einfach nur vorbei gebracht. Angesichts der Situation ist so ein Verhalten nur verständlich, aber guter Service ist das nicht. Die Rechnung war auch dieses Mal fehlerhaft: es wurde uns ein Klebreiskuchen zu viel berechnet.

Fazit: ich gehe wieder ins Well-Being, denn die Gerichte waren geschmacklich in Ordnung und sie sind mir gut bekommen. Es kann ein guter Ersatz für meinen früheren Lieblingsthailänder werden, der um die Ecke vom Well-Being ist. Mein Lieblingsrestaurant wird es jedoch nie werden. Es gibt zum Glück noch ein weiteres asiatisches Restaurant in Köln in dem man glutenfrei speisen kann. Dort gibt es mehr Auswahl und spektakulärere Speisen. Leider ist es an einer ganz anderen Ecke der Stadt in der ich nie bin, es sei denn ich gehe dort essen. Ein paar asiatisch-angehauchte Gerichte kochen kann ich mittlerweile sogar selbst. Daher kann es gut sein, dass bis zu meinem nächsten Besuch im Well Being in der Brabanterstrasse wieder zwei Jahre vergehen werden. Die Inhaber eröffnen jedoch in ein paar Wochen eine Filiale in der Nähe des Neumarktes. Wo genau, ist noch geheim. Eine Mittagspause dort – zusammen mit meinem Mann – ist bereits in Planung, ein kritischer Blick auf die Rechnung ebenfalls.

Well Being
Brabanter Str. 9
50674 Köln
Tel.: 0221 – 299 256 82
http://www.wellbeing-koeln.de/start/
bei Facebook: https://www.facebook.com/wellbeingkoeln

Öffnungszeiten:
Dienstags bis Freitags von 11:30 bis 15:00 Uhr; 17:00 bis 22:00 Uhr
Samstags von 12:00 bis 22:30  Uhr
Sonntags von 15:00 bis 22:00 Uhr
Montags Ruhetag

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

4 Responses to Eine zweite Chance zum Wohlfühlen

  1. SuppenhanneSuppenhanne says:

    Hm … habe mal eine ähnliche Erfahrung in einem veganen asiatischen Restaurant in Hamburg gemacht. Der Besitzer hat uns allerdings am Ende als Wiedergutmachung Kuchen geschenkt, das hat die langen Wartezeiten wieder wettgemacht. Schade, dass in einem Restaurant mit so leckerem Essen am Service gespart wird.

  2. GongBao says:

    Danke für den Bericht übers Well Being. Ich selbst gehe häufig dort essen und mir schmeckt es immer super. Den Klebreiskuchen kann ich in der Tat auch sehr empfehlen.

    Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass nur die beiden Gerichte glutenfrei sind (auch wenn ich nicht GANZ genau weiß, in welchen Lebensmitteln Gluten enthalten ist). Vielleicht fragst du einfach noch mal die Chefin dort selbst, welche Gerichte alles glutenfrei sind.

    • MariMari says:

      Hallo Anja,

      das Well-Being arbeitet viel mit Seitan (= pures Gluten). Nach meiner Auskunft (mehrfach genau so erhalten) gehen wirklich nur diese beiden Gerichte und keine weiteren.

      Viele Grüße

      • Andy says:

        Es gibt doch sehr viele Gerichte mit Tofu bei denen. Frag doch einfach mal danach. Und Seitan haben sie eigentlich fast keines im Angebot. Es kann sein, dass das Veggie Beef und Veggie Chicken gluten enthält, aber beide sind größtenteils auf Soja-Basis.

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