Viva Signor Verde!

Wer sagt, dass veganes Essen nicht schmeckt, der hat einfach keine Ahnung. Ein guter Ort um diese Hypothese zu belegen ist das Signor Verde, welches 2009 hinter dem Kölner Südbahnhof eröffnet hat. Man muss sich jedoch erst einmal überwinden, nämlich den wohl siffigsten Tunnel Kölns zu passieren. Auf dem Bürgersteig Taubenmist, auf den Streben in der Tunneldecke Tauben, ich irgendwo dazwischen. Ich laufe schnell und suche (fast paranoid) mit strengem Gesichtsausdruck den Blickkontakt mit den Vögeln. „Bitte verschont mich“, würde ich wohl sagen, wäre ich des Täubischen mächtig. Am Ende des Tunnels leuchten die Sonne, der blaue Himmel und ein grünes Ladenlokal um die Wette. Schon stehe ich in der Otto-Fischer-Straße 1 und habe mein Ziel erreicht.

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Es ist nicht mehr so warm wie vor ein paar Wochen, dennoch sitzen wir heute draußen, wenngleich im Schatten und im Mantel, und direkt an der Luxemburger Strasse.

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Beim Gang auf die Toilette erkunde ich das liebevoll und mit Humor eingerichtete Innenleben des Lokals und fühle ich mich plötzlich ziemlich uncool und alt. Unter dezenter, mit Ökostom betriebener, Beleuchtung hängen hippe Studierende auf gemütlichen Sofas und Sesseln ab und genießen unter Regalen, in denen vegane Kochbücher stehen, ihre Mittagspause. Ganz hinten im Raum steht ein altes Klavier an der Wand, an die Tür gegenüber, welche zu den Toiletten führt, hat jemand ein „T“ vor die Aufschrift „örtchen“ geklebt. Sehr sympathisch.

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Die Speisenkarte ist übersichtlich, schon beim Besuch auf der Internetseite habe ich festgestellt, dass das Angebot vielen Variationen unterworfen ist. Samstags und am Sonntag gibt es Vrühstück (veganes Frühstück), jeden Donnerstag feiert man Vönerstag mit veganem Döner und seit einer Woche ist das Signor Verde auch in die Eissaison 2014 gestartet. Weil es mit dem glutenfreien Essen ja immer so eine Sache ist, habe ich vorsichtshalber vor meinem Besuch mit dem Inhaber telefoniert. Ja, es sei möglich heute und auch sonst glutenfrei zu essen. Die Köchin wäre auch gleich da und würde heute backen. Er gibt in der Küche bescheid, dass auch etwas Glutenfreies dabei sein soll. „Oh, echt?“ kreische ich fast ungläubig in den Hörer und lasse ihn vor Freude fast fallen. So weckt man Erwartungen!

Ich bestelle: glutenfreies Baguette Caprese (mit Tomaten, veganem Mozzarella, Olivenöl und Pesto). Dazu eine große Apfelschorle. Meine Begleitung nimmt dasselbe in grün (sorry, musste sein), aber in glutenhaltig. Ein wenig Warten, und noch ein wenig Warten, dann erscheinen unsere Baguettes. Sie sind warm und knusprig, meines etwas kleiner als das meiner Begleitung. Das kunstvoll, rechts neben dem Baguette, auf den Teller geschwungene „S“ aus Crema di Balsamico zerstören wir Stück für Stück in dem wir Ecken des Baguettes darin tunken. Fetzt! Der Belag des Baguettes ist frisch, geschmackvoll und gut gewürzt, ein Unterschied zum vegetarischen Baguette nicht bemerkbar. Einen Unterschied zum glutenhaltigen Baguette merke ich übrigens auch nicht, so dass ich kurz in Erwägung ziehe panisch nachzufragen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Meiner Begleitung schmeckt es auch, aber da ihr Baguette etwas grösser ist als meins, wird wohl alles gut sein! Fertig, und nun? Ich habe immer noch Hunger! Für den Preis von EUR 3,80 pro Baguette und der Tatsache, dass ich für die glutenfreie Version keinen Aufpreis habe zahlen müssen, hätte ich jedoch auch einfach zwei Baguettes bestellen können.

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Ich entscheide mich, einen Himbeermuffin mit Kokoshut (ich nenn‘ den jetzt einfach mal so) und ein Soja Macchiatto hinterher zu schieben. Ein spektakuläres Dessert, hübsch und geschmacklich überzeugend. Das Topping schmeckt wie Raffaello, der Muffin ist innen fluffig, saftig und voller Früchte. Lecker! Meine Begleitung ist mindestens genau so begeistert wie ich, und ich nehme mir vor das Projekt „glutenfreies, veganes Backen“ demnächst wirklich mal in Angriff zu nehmen. Am liebsten würde ich direkt in die Küche marschieren und die Köchin verhören, sie kann’s ja! Auf vegane Milch im Kaffee bin ich zu Hause eh schon umgestiegen, da kann man mir nichts mehr beibringen.

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Im Anschluss an das Mittagessen spazieren wir noch durch das nahe gelegene Gelände der Uni Köln. Wieder zurück vorm Signor Verde verabschieden wir uns. Um den zweiten Gang durch den Tunnel des Hygiene-Horrors besser verkraften zu können, kaufe ich mir noch eine Kugel veganes Pistazieneis. Es ist cremig, schmeckt ein wenig fruchtig und eindeutig mit Sojasahne oder Sojamilch. Gefällt mir, ich könnte es jedoch niemals jemandem als Eis aus Kuhmilch unterjubeln. Mit Himbeermuffin und Caprese Baguette könnte ich das jedoch jederzeit probieren – und ungeschoren davon kommen. Prima!

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Fazit: das Signor Verde ist ein echter Lichtblick. Nicht nur hinter dem siffigsten Tunnel Kölns, sondern auch im kulinarischen Angebot der Stadt. Bodenständig, simpel und raffiniert mit Preisen die dem studentischen Budget gerecht werden. Egal ob Vrühstück, Mittagessen oder für einen chilligen Nachmittag im Café oder Kneipenabend: im Signor Verde ist man gut aufgehoben. Mit glutenfrei kennt man sich aus, aufgrund meiner etwas panischen Nachfragen hat man mir von Apfelschorle bis hin zum Zucker mit einem Zwinkern gereicht: „und hier in glutenfrei“. Schön! Ich komme gewiss wieder, am Besten in Begleitung einer dieser Besserwisser, die Angst vor veganem Essen haben. Bis dahin überlege mir wie ich das Signor Verde erreichen kann ohne den siffigsten Tunnel des Rheinlands durchqueren zu müssen.

PS: Auch der stärkste Mann Deutschlands, Patrik Baboumian, hat das Signor Verde geprüft und für gut befunden, nachzusehen auf Facebook. In Pippi Langstrumpf-Manier und breit grinsend hebt er auf je einem Arm Besitzer und eine Angestellte des Lokals in die Kamera. Viva Signor Verde! Que viva! Que viva! Que viva!

Signor Verde
Otto-Fischer-Str. 1
50674 Köln

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: zwölf bis zweiundzwanzig Uhr
Samstag elf bis zwanzig Uhr
Sonntag elf bis achtzehn Uhr

http://www.signorverde.de
https://www.facebook.com/pages/Signor-Verde-milchfreie-caff%C3%A8bar-/153258881387863
Telefon: 0163 84 366 54

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

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