Zuckerschock in Frankfurt am Main: de Schweiger’s Mint auf der Berger Strasse

Teile meines Lebens habe ich in Frankfurt am Main gewohnt, ganz in der Nähe der Berger Strasse in Bornheim. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich Bornheim und das Nordend an sich sehr gewandelt, es ist eines der hippesten Stadtteile geworden, manchmal denke ich, dass er sogar DER hippeste Stadteil Mainhattans ist. Auf der Berger Strasse findet man – in Perlenkettenmanier aneinander gereiht – schicke Restaurants mit kreativer Inneneinrichtung, urige, alteingesessene Bars mit wenig Licht, exklusive, lichtdurchflutete, spärlich eingerichtete Boutiquen mit Kleidern welche die Größe 36 nicht überschreiten (ich scherze!), Delikatess- und Spezialitätengeschäfte und weitere Unikate. Die Bürgersteige sind relativ breit, das heißt: überall kann man draußen sitzen. Im Sommer ziehen die Frankfurter von einer Lokalität zur nächsten und – wenn man gerade studiert und wenig Geld hat – lässt man die Nacht auch mal auf einer Bank auf dem Luisenplatz gemeinsam mit einer Freundin und einem großen Container Ebbelwoi (auch bekannt als Apfelwein) ausklingen. Auf der Berger Straße gibt es unendlich viel zu sehen und viele Investitionsmöglichkeiten für den dicken Geldbeutel. Das Schweiger’s Mint passt perfekt in diese Umgebung, es ist klein, fein und verfügt über die exakte Portion Chic ohne überkandidtelt zu wirken.

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Wir sind spontan hier. Kurz vor knapp suche ich noch in der Restaurantliste des Zöliakie Austauschs. Erst vor ein paar Tagen hat jemand dieses kleine Café vorgestellt, das glutenfreies Eis und andere Leckereien anbietet. Der Sohn der Besitzerin hat wohl auch Zöliakie, daher kehre ich bedenkenlos hier ein. Haus Nummer 36 finden wir schnell, stadteinwärts fast neben BASIC, gegenüber vom früheren Ladenlokal von Oxfam. Wir lassen uns im überdachten und eingezäunten Außenbereich vom de Schweiger’s Mint nieder, auf weißen Metallstühlen, auf denen jeweils flauschige Kissen (einfarbig) in Pastell ruhen. Ich fühle mich ein wenig wie in Paris. Während wir auf die Bedienung warten, schaue ich mich um. An einer Tafel direkt neben dem Eisdielenfenster kann man sämtliche verfügbare Eissorten einsehen. Neben jeder Sorte ist mit „G“ oder „V“ vermerkt, ob diese glutenfrei oder vegan sind. Die meisten Sorten kann ich essen – fantastisch!02 Mint klIch beobachte die umherlaufenden Menschen. Ich erwähnte es ja schon, in der Mainmetropole fühlt man sich so gut wie immer underdressed, und an diesem Montagnachmittag scheinen selbst die Kinder – von denen gerade unendlich viele unterwegs sind – stilsicherer als ich. Am Nachbartisch setzen sich gerade eine Mutter mit etwa fünfjährigen Zwillingsmädchen mit blonden Haaren und großen Augen. „Wie süss“, denke ich. Schlagartig ändere ich meine Meinung. Eines der Kinder ist extrem schlecht gelaunt und schimpft ununterbrochen auf höchstmöglicher Lautstärke. Erst ist sie beleidigt, weil sie (mit Kinderwagen) an dritter und somit letzter Stelle läuft. „Warum?“, kommandiert Klein-Bloody-Mary. Dann schimpft der re-inkarnierte Gaddafi, weil es an einem runden Tisch unmöglich ist sich richtig gegenüber zu sitzen und weil die Apfelschorle abseits steht. Ein Ende der Schimpftirade ist nicht in Sicht, immer neue Ärgernisse tauchen auf und ständig wird unsere Konversation durch das Geschrei gestört. Ich schwanke zwischen Mitleid für die Mutter und Unverständnis für so viel erzieherisches Versagen. Ich versuche auch mich daran zu erinnern, ob ich auch so ein kleiner Diktator war. Ausschließen mag ich es nicht.

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Endlich kommt unsere Bestellung. Da wir uns nicht abgesprochen haben (es macht viel mehr Spaß mehrere Sorten zu bestellen, damit man sich durchprobieren kann), gibt es Noisette und dunkle Schokolade jeweils für meinen Mann und mich, dazu Dulce de Leche und Mandel-Mohn. Das Eis ist sehr cremig, eine Geschmacksexplosion – an Zutaten hat man nicht gespart! – und schön kalt, aber nicht hart. Das dunkle Schokoladeneis ist zwar nicht das Beste das ich je gegessen habe, dennoch eines der Besseren das mir bisher untergekommen ist. Im Noisette gibt es viele kleine Nussstückchen und Dulce de Leche schmeckt herrlich nach Karamell, dafür ein großes Lob. Leider ist das Eis für meinen Geschmack ingesamt zu süß und Mandel-Mohn schmeckt mir zu künstlich. Mein Mann meinen Eisbecher aufessen, ihn ereilt der Zuckerschock ja nicht so schnell. Es ist schade, dass ich kein Fruchteis probiert habe, vermutlich hätte es mir besser geschmeckt. 08 Mint

Wir unterhalten uns noch ein wenig und beschließen dann noch einen Spaziergang zu machen. Ich gehe ins Lokal und bezahle, vorher lasse ich mir noch einen glutenfreien Brownie (vorbildlich kontaminationsfrei unter einer Glasglocke gelagert) und einen glutenfreien, veganen Riesencookie (liebevoll in Folie ausgelegt) einpacken. Für eine Eisschokolade, sechs Kugeln Eis, einen Cookie, einen Brownie sowie zwei Limonaden bezahlen wir fast dreißig Euro. Nicht wirklich günstig. 01 Mint kl
Zu Hause esse ich Brownie und Cookie – und bin traurig vom Cookie nur eins gekauft zu haben. 07 Mint klDer Brownie ist schön feucht und fluffig, sehr schokoladig und mit einer Schokocreme bedeckt. Grobe Kokosraspeln runden den Geschmack ab. Ein wirklich guter Brownie! Das Schokocookie ist reichhaltig, knusprig, in der Mitte kompakt und einfach nur perfekt. 09 Mint klStück für Stück esse ich ihn auf, am Schluss lecke ich noch die Krümel von den Fingern. Mjam!10 Mint kl

Leider wohne ich zu weit von der Berger Strasse und von Schweiger’s Mint um dort regelmäßig einzukehren. Ich beneide die Zöliaken im Rhein-Main-Gebiet für dieses super sympathische Café und die dort angebotenen Delikatessen. Wir haben in Köln durchaus einige Möglichkeiten um leckere Kuchen zu essen, aber keine ist mit Schweiger’s Mint vergleichbar was Inneneinrichtung, Umgebung und Sortiment angeht. Ein Hoch auf das glutenfreie Angebot in der Mainmetropole!06 Mint kl

de Schweiger’s Mint.
F. Schweiger & A. Segura de Schweiger (GbR)
Berger Straße 36
60316 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 84844211
Fax: +49 69 84844213
www.de-schweiger.de/
www.facebook.com/SchweigersMint

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: elf bis einundzwanzig Uhr
Samstag: zehn bis einundzwanzig Uhr
Sonntag zwölf bis einundzwanzig Uhr

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

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