Caldo e Freddo – Brot statt Pizza in Leverkusen

In der Region um Köln gibt es drei Möglichkeiten um glutenfreie Pizza zu essen: das Mimmo & Santo auf der Neusser Strasse in Köln, die Piazza San Paolo in Bonn-Lengsdorf und das Caldo e Freddo auf der vielbefahrenen Quettinger Strasse in Leverkusen. In Düsseldorf gibt es übrigens überhaupt keine Gelegenheit Pizza zu essen, es sei denn man ist privat eingeladen. Das Mimmo & Santo habe ich schon oft besucht, die Piazza San Paolo habe ich auch an anderer Stelle bereits gelobt, aber letztere Lokalität, das Caldo e Freddo, hatte ich mangels Motivation den doch etwas umständlichen Weg mit den Öffentlichen auf mich zu nehmen noch nicht aufgesucht.

Spontan ergab sich die Gelegenheit für ein Treffen des Zöliakie Austauschs mit Chauffeurservice (Danke, noch einmal, dafür!) und so war ich im Juni endlich dort.

An dieser Stelle jedoch erst einmal ein kleiner Exkurs über meine bisherigen Erlebnisse als glutenfreie Pizzatesterin: Personen, die sich glutenfrei ernähren, sind für jedes gastronomische Angebot dankbar, weil es selbst in Großstädten nicht Unmengen an Auswahl gibt. Daher ist es Gastronomen möglich geschmacklich nicht ganz auf der Höhe des glutenhaltigen Angebotes zu sein und dennoch erfolgreich zu haben. Die Monopolstellung macht’s! Als glutenfreier Konsument befindet sich folgender Situation: friss, stirb oder mach selbst! Denn: das Wort „glutenfrei“ scheint eine Art Freifahrtschein, es auf den Geschmack nicht so genau anzulegen. Als ginge davon aus, dass der Geschmack der glutenfreien Gerichte nicht mit dem glutenhaltiger Gerichte mit halten kann. Das ist äußerst schade, denn als kocherfahrene Person sage ich voller Überzeugung: das stimmt nicht! Sämtliche Gerichte dieser Erde (außer vielleicht Frühlingsrollen) kann man in lecker UND glutenfrei zubereiten. Viele Gastronomen haben diese Botschaft noch nicht empfangen, vermutlich herrschaft das Vorurteil, dass der glutenfrei lebende Personenkreis automatisch gesund isst und die Ökoversion aus Vollkorn bevorzugt. Früher galt das gleiche für Vegetarier, da wurde zusätzlich zum Fett und den Kalorien auch am Geschmack gespart. Quel dommage!

Liebe Gastronomen, hier eine wertvolle Information: wenn ich Pizza bestelle, dann erwarte ich: Pizza! Ich wünsche mir einen hellen, fluffigen und weichen Teig mit knuspriger Kruste, dick belegt mit den Zutaten meiner Wahl, einer würzigen Tomatensosse und einer ordentlichen Portion Käse. Ich wünsche mir das Ideal einer Pizza, so wie sie immer in der Werbung und in Reiseprospekten abgebildet ist. Also genau so lecker wie auch sonst. Nur eben in glutenfrei!

Exkursende und weiter im Text.

Man kann es sicher schon ahnen, aber ich war im Nachhinein ganz froh, dass ich gewartet habe, bis sich eine einfachere Möglichkeit ergibt um nach Quettingen zu kommen. Für die glutenfreie Pizza lohnt sich der Weg ins Caldo e Freddo – der Name bedeutet „heiss und kalt“ auf Italienisch leider nicht. Das Ambiente des Restaurants leider eher kalt als warm. Zwar ist im Gastraum alles adrett, sauber und dekoriert und die Toiletten makellos. Die Webseite sieht genau so vielversprechend aus wie die Speisenkarte und das Personal ist absolut gastfreundlich, korrekt, bemüht und herzlich. Mühe haben sich die Inhaber auf jeden Fall gegeben, aber die Umgebung des Restaurants, ein Gewerbegebiet, können sie selbst schlecht beeinflussen.02 Caldo e Freddo kl Im Rahmen ihres Einflusses liegt jedoch die Zubereitung des glutenfreien Pizzateiges, und dieser hat mich leider enttäuscht.

Aber der Reihe nach. Nach dem wir unsere Bestellungen aufgeben, wird ein Gruß aus der Küche gebracht. Getoastetes glutenfreies Brot (wir vermuten Schaer) mit Olivenöl und selbstgemachtem Pesto. Ein Gruß aus der Küche ist für Personen, die sich glutenfrei ernähren müssen, wirklich etwas Besonderes, und ich habe mich daher sehr über diesen gefreut und fühle mich willkommen. Das Pesto war frisch und schlotzig, das Olivenöl mild und lecker. Super!01 Caldo e Freddo kl

Im fliegenden Wechsel werden die Pizzen gereicht. Groß, heiß und liebevoll belegt liegen sie vor uns auf dem Teller, geradezu ein hübsches Gericht. Die Zutaten scheinen alle hochwertig und wurden üppig auf die Pizzen verteilt. Erst einmal heißt es jedoch warten bis jede (genauer gesagt eine bestimmte Bloggerin) ihre Pizza fotographisch verewigt hat. 04 Caldo e Freddo klUnd los geht’s, Gabel und Messer werden angesetzt und… Schrabbschrabbschrabb, knacknacknack klingt es von allen Seiten. Rings um mich dann ein Kaukonzert, in das ich gezwungenermassen mit einstimme. Brickbrackbrickback. Der Teig ist sehr dick und sehr hart. Mein erster Eindruck, dass die verwendeten Zutaten und Tomatensoße qualitativ hochwertig und gut gewürzt sind, bestätigt sich. Ich finde den Belag besser als in der Piazza San Paolo und auch besser als im Mimmo & Santo. Hierfür: Hut ab! Nur mit dem Teig möchte ich mich nicht so recht anfreunden, er ist nicht nur sehr hart und sehr dick, ich denke die ganze Zeit, dass ich mit Pizzatopping belegtes dunkles Brot essen würde anstatt Pizza. Nach der Hälfte bin ich auch schon jenseits von voll, esse aber auf. Ich werde das den restlichen Abend bereuen. Der Teig liegt mir wie ein Stein im Magen, fast habe ich das Gefühl dass die harten Ecken des Teiges in meine Magenwand stechen. Es ist wirklich schade um die Mühe die sich Inhaber, Bedienung und Küche gemacht haben und es ist auch sehr traurig für die Liebe, die in Sosse und Belag gesteckt wurde. Wäre der Teig so wie regulärer Pizzateig zu sein hat, dann hätte das Caldo e Freddo gute Chancen es mit der besten glutenfreien Pizza in Deutschland aufzunehmen. Ich bedauere es wirklich sehr, dass meine persönliche Meinung über den glutenfreien Pizzateig nicht besser ausgefallen ist. Einen Trost gibt es dennoch: ich habe schon schlechtere glutenfreie Pizzen gegessen.

Da ich nicht wirklich in der Nähe vom Caldo e Freddo wohne, werden sich meine Besuch dort in Zukunft in Grenzen halten. Ich komme jedoch gerne wieder und werde es mit einem glutenfreien Pastagericht probieren, von dem ich mir angesichts der ansonsten so hochwertig und liebevoll ausgewählten Zutaten und der gut gewürzten Soße wirklich viel verspreche. Glutenfreie Fleischesser kommen hier auch bestimmt auf ihre Kosten, da habe ich keine Zweifel.

CALDO E FREDDO
Quettinger Str. 196
51381 Leverkusen
Tel.: 02171 / 36 68 060
www.caldoefreddo.de
www.facebook.com/ristorantecaldoefreddo

Öffnungszeiten
Montags – Samstags 11:30 Uhr – 14:30 Uhr und 17:30 Uhr – 23:00 Uhr
Sonn- und Feiertags 11:30 Uhr – 14:30 Uhr und 17:30 Uhr – 23:00 Uhr

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

One Response to Caldo e Freddo – Brot statt Pizza in Leverkusen

  1. Pingback: Kölle Alaaf! Antipasti, Ökopizza und Heimatgefühle im Mimmo & Santo | foodgasm.me

Schreibe einen Kommentar

Please be nice.