Glutenfreie Bagels und Schokomuffins – Ankerlegen im Kasseler Coffee Bay

Bagels sind mittlerweile ein Gebäck mit Kultstatus. Insbesondere der New York Bagel hat es zu einigem Ruhm geschafft, weil er angeblich nur in New York gelingt, bedingt durch die angeblich einzigartigen Qualitäten des dortigen Leitungswassers. Diese Hefebrötchen mit Loch, der herzhafte Cousin von Doughnuts sozusagen, stammen ursprünglich aus Polen. Ihr Loch erhalten sie durch das Aufspießen auf einer Stange, von der sie in ein heisses Wasserbad geworfen und vor dem Backen einige Minuten gekocht werden. Es gibt sie in unendlich vielen Sorten – von hell bis dunkel – und mit unzähligen Beigaben zum Teig und einem Sammelsurium an Toppings.

Bagels findet man mittlerweile in jedem Starbucks und dessen Imitaten, also quasi an jeder Straßenecke deutscher Großstädte. Starbucks ist auch so eine Sache mit Kultstatus – je nach dem wen man fragt – jedenfalls konnten Zöliaken bis vor Kurzem dort nur zu ihrem (vorher mit der Allergentabelle auf der Starbucks-Webseite abgeglichenen) Getränk einen winzigen, einzeln verpackten Florentiner essen. Seit einigen Wochen gibt es bei Starbucks auch einen glutenfreien Brownie, der jedoch nicht glutenfrei gehandhabt wird, so dass man als Zöliakin mal wieder um eine Extrawurst bitten muss. Da die Brownies einzeln verpackt und gefroren angeliefert werden, kann man – wenn man möchte – den oder die Barista bitten einen frischen Brownie aufzubacken und diesen nur mit frischen Handschuhen anzufassen. Ist dies etwas, das man angesichts der 35 Personen auf Koffeinentzug in der Schlange hinter einem tun möchte? Wahrscheinlich eher nicht.

Aber wer braucht schon Starbucks, wenn es Coffee Bay gibt? Personen mit Glutenunverträglichkeit in Giessen, Hanau, Mainz und Kassel jedenfalls nicht!
01 Coffee Bay kl

Coffee Bay ist eine Kaffeekette, wie jede andere auch. Man möchte den Gästen eine „Bucht zum Ausruhen“ bieten, ein Versprechen welches sie einhalten können. Zumindest wenn man von der Filiale am Scheidemannplatz in Kassel ausgeht. Für einen Freitagnachmittag ist es angenehm leer, und dennoch gut besucht. In Köln würde ich mich zu vergleichbarer Zeit und in vergleichbarer Lage gerade unfreiwillig an die Frau in der Schlange vor mir schmiegen und hoffen, dass der Mann hinter mir meinen Ellenbogen in seinem Bauch als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hat.

Aber von vorne: wie üblich habe ich über das Internet erfahren, dass das Coffee Bay ein glutenfreies Angebot ins Programm aufgenommen hat. Bagels, Brownies und Müsliriegel soll es geben. Da ich das nicht so recht glauben möchte, rufe ich an. Die quirlige Verkäuferin erklärt, dass das Angebot vorhanden ist, dass die Ware gefroren geliefert und kontaminationsfrei aufgebacken wird. Es gäbe eigene Bretter und Messer für die Bagels, Handschuhe würden vor der Zubereitung routinemäßig gewechselt. Eine kontaminationsfreie Zubereitung wie aus dem Bilderbuch also.

So laufen wenige Wochen später mein Mann und ich, etwas hungrig von einer durch Stau verlängerten Autofahrt, an einem sonnigen Herbsttag über das Schachbrettmuster am Boden des Scheidemannplatzes. Auf zu Coffee Bay! Auf der Terrasse sitzen einige Gäste, rechts von der Tür weist schon ein großes Poster auf das glutenfreie Angebot hin. Wir entschließen uns für einen Tisch im Café. Vorm Bestellen haben wir ein wenig Zeit, so dass ich die Kuchenvitrine begutachten kann. Von dort lachen die glutenfreien Gebäcke auf der letzten von drei Etagen, neben einem Schild mit der glutenfrei-Ähre der Deutschen Zöliakie Gesellschaft und dem Satz: „Amerikanischen Backwaren Made in Germany“. Das Fach mit den glutenfreien Waren teilt sich zwar den Platz mit glutenhaltigen Sandwiches, diese sind jedoch eingeschweißt.

03 Coffee Bay kl
Glutenfrei Bagels gibt es in zwei Ausführungen: mit Sesam und mit Mohn. Dann darf ich mich für den Belag entscheiden. Überforderung! Hilfe! Es gibt Salami, Käse, Ei, Frischkäse (mit Kräutern oder ohne), Tomaten, Salat, Kresse und noch vieles mehr. Mein Bagel soll mit Frischkäse, Gurken, Tomaten, Salatblatt und Kresse bestückt werden. Leider ist die Kresse aus. Also dann: eben ohne!, Dazu bestelle ich einen eiskalten Chai mit Sahne (in normaler Größe). Ich lasse mir den Sirup zeigen, um sicher zu stellen, dass er wirklich glutenfrei ist. Mein Mann bestellt einen großen Milchkaffee und einen glutenhaltigen Bagel. Wir erhalten unsere Getränke (in Amerikanischer Grösse, man kann es wirklich nicht anders sagen), und bezahlen insgesamt angenehme dreizehn Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu Starbucks!

02 Coffee Bay kl
Während wir warten, schaue ich mich im Café um. Der Shop ist mit Tischen und Stühlen aus dunklem Holz eingerichtet, auf jedem Tisch steht eine kleine Blumenvase und ein Schild mit Hinweis auf das glutenfreie Angebot im Coffee Bay.

04 Coffee Bay kl

Die Bagels kommen! Misstrauisch wie ich geworden bin, begutachte ich argwöhnisch beide Bagels, weil sie fast gleich aussehen. Auf den zweiten Blick sieht man, dass der glutenfreie Bagel eine gesunde gelbe Farbe hat, während der glutenhaltige blass wie ein erblasstes Mondmännchens daneben steht.

06 Coffee Bay kl

Der Bagel ist noch warm, reichlich belegt und sehr knusprig. Ich esse ihn schnell. Leider bedecke ich prompt den gesamten Tisch mit Sesamsamen. Sei’s drum! Lecker – auch ohne Kresse! Ich freue mich sehr, auswärts einen Bagel gegessen zu haben. Der eiskalte Chai schmeckt rund und ist nicht zu süß – passt!

05 Coffee Bay kl
Zum Abschied kaufe ich je zwei gefrorene Bagels und Muffins. Mein Mann und ich laufen über den schachbrettgemusterten Scheidemannplatz in Richtung Wochenende. Die nächsten Tage frühstücke ich Bagels–mit Kresse, der Supermarkt hatte noch welche – und verteile Sesam- und Mohnsamen über den heimischen Frühstückstisch.

07 Coffee Bay kl

Die Muffins probiere ich auch. Beim Aufbacken lese ich das Etikett. Von wegen Amerikanisches Gebäck Made in Germany! Es handelt sich um ein irisches Produkt! Unter anderen Umständen würde man jetzt empört sein und die grosse Lüge, gar einen Betrug am Kunden wittern. Ich empfinde das jedoch nicht so. Die Muffins sind süss, schokoladig und sehr weich. Dass sie aus Irland importiert werden, bedeutet, dass die Inhaberin eine Suche nach dem bestmöglichen Produkt in Angriff genommen hat und darin erfolgreich war.
Kult hin oder her: mir schmeckt’s!

Coffee Bay
Scheidemannplatz 2
34117 Kassel
0561 7396313
www.facebook.com/pages/Coffee-Bay/519016908126555
www.coffee-bay.de
Leider konnte ich keine Angaben zu den Öffnungszeiten finden; Google behauptet: täglich von sieben bis achtzehn Uhr dreissig.

Mari

About Mari

Salut! Ich bin Mari und wohne nebst Mann und Vogel in Köln. Ich blogge bei Foodgasm über meine Erfahrungen im vegetarischen, glutenfreien Alltag. Ihr findet mich auch auf meinem eigenen, englischsprachigen Blog Gourmari - Vegetarian & Gluten-free. Dort veröffentliche ich viele praktische Tipps zum Leben mit Zöliakie und (z.T. auch vegane) Rezepte, die ich in meiner (leider) winzigen Küche kreiere.

2 Responses to Glutenfreie Bagels und Schokomuffins – Ankerlegen im Kasseler Coffee Bay

  1. Sandra says:

    hallooo…
    Freue mich über deinen Bericht – auch sehr unterhaltsam zu lesen ;)
    Ich wohne in Kassel und war schon dreimal dort seit ich davon erfahren habe. Bagel war immer gut, Kuchen habe ich noch nicht probiert.
    Ich habe immer das Gefühl, ich müsste so ein Angebot so oft wie möglich nutzen, damit ja niemand auf die Idee kommt, es wegen fehlender Nachfrage aus dem Sortiment zu nehmen :D

    Die Bagels sind übrigens von Poensgen, wie ich vermute. Ich habe nämlich genau die gleichen Zuhause.

    Liebe Grüße, Sandra

    • MariMari says:

      Huhu!
      Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar, den ich erst jetzt gesehen habe! Ja, das gf Angebot in KS ist ziemlich mau, aber das Coffee Bay ist echt eine Bereicherung! Meine Schwiegermutter kauft mir meine Frühstücke jetzt auchd ort. Die Bagels sind nicht von Poensgen, das würde mich wundern. Poensgen liefert nicht TK und arbeitet auch viel mit gf Weizenstärke. Die gf Waren (ich glaube, das trifft für alles dort zu) sind aus Irland, ich habe ja bei den Muffins die Verpackung gesehen… Wenn ich das nächste Mal dort bin, frage ich nach.

Schreibe einen Kommentar

Please be nice.